Zuletzt aktualisiert am 30. Mai 2022

Werkstätten für Menschen mit Behinderungen

(§§ 219 ff. SGB IX)

In der UN-Behindertenrechtskonvention ist verankert, dass es allen Menschen mit Behinderungen möglich sein soll, ihren Lebensunterhalt durch Arbeit selbst zu verdienen. Dabei soll die Tätigkeit in einem offenen, integrativen und zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen werden. Einige Menschen mit Behinderungen sind jedoch aus unterschiedlichen Gründen von Erwerbsarbeit ausgeschlossen. Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) ermöglichen ihnen die Teilhabe am Arbeitsleben.

Zielsetzung

Das Arbeitsverhältnis in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung zielt darauf ab, eine individuell angemessene berufliche Bildung und Beschäftigung anzubieten und die Leistungs- oder Erwerbsfähigkeit der Betroffenen zu erhalten, zu entwickeln, zu erhöhen oder wiederzugewinnen. Ebenfalls sollen dabei ihre Persönlichkeitsentwicklung sowie der Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt gefördert werden; der finanzielle Gewinn steht dabei nicht im Vordergrund. 

Die Anerkennung einer Institution als „Werkstatt für behinderte Menschen“ erteilt die Bundesagentur für Arbeit. Um diese zu erhalten, müssen innerhalb der Einrichtung weitestgehend wirtschaftliche Arbeitsergebnisse erzielt werden und die laufenden Kosten müssen größtenteils durch eigene Arbeitserträge beglichen werden. Des Weiteren müssen begleitende Fachdienste (Ärzte, Sozialarbeiter etc.) bei der Betreuung mitwirken.

Aufnahmeverfahren

Grundsätzlich steht eine WfbM allen Menschen, unabhängig von Art oder Schwere ihrer Behinderung, offen. Es muss jedoch erwartet werden, dass, spätestens nach Teilnahme an einer Berufsbildungsmaßnahme, ein "Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung" (§ 219 As. 2 SGB IX) erbracht werden kann. Sollte von Betroffenen trotz Betreuung eine Selbst- oder Fremdgefährdung ausgehen oder ein außerordentlicher Pflegebedarf vorliegen, entfällt der Anspruch auf einen Platz.

Hinweis: Für diesen Fall sind vielen Werkstätten eigene Einrichtungen zur Betreuung von schwerst- oder schwermehrfachbehinderten Menschen angegliedert.

Nach Antragstellung des behinderten Menschen berät der Fachausschuss der WfbM über die Aufnahme und die konkreten Fördermaßnahmen. Zudem können weitere Maßnahmen zur Abklärung von Eignung und Potentialen durchgeführt werden, wie die "Diagnose der Arbeitsmarktfähigkeit besonders betroffener behinderter Menschen" (DIA-AM).

Berufsbildungs- und Arbeitsbereich

Die WfbM verfügen über ein breites Angebot an Berufsbildungs- und Arbeitsplätzen. Dazu zählen Bereiche, wie Bau-/Renovierungsarbeiten, Garten-/Landschaftspflege, Recycling sowie EDV-/Bürodienstleistungen. Innerhalb des Berufsbildungsbereichs sollen Menschen mit Behinderung individuell gefördert werden, sodass sie einer Beschäftigung innerhalb der Werkstatt oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nachgehen können.

Der Arbeitsbereich einer WfbM ist auf die Abwicklung von Produktionsaufträgen und die Erbringung von Dienstleistungen ausgerichtet. Dabei soll, wenn möglich, der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, z. B. durch Außenarbeitsplätze oder Inklusionsbetriebe, angestrebt werden.

Menschen mit Behinderung, die im Arbeitsbereich einer WfbM tätig sind, bekommen als Vergütung einen Grundbetrag von 109 € monatlich sowie einen leistungsabhängigen angemessenen Steigerungsbetrag. Zudem erhalten sie ein sog. Arbeitsförderungsgeld von 52 € monatlich, soweit deren Arbeitsentgelt zusammen mit dem Arbeitsförderungsgeld nicht mehr als 351 € beträgt. Ist das Arbeitsentgelt höher als 299 €, beträgt das Arbeitsförderungsgeld monatlich den Differenzbetrag zwischen dem Arbeitsentgelt und 351 € (§ 59 SGB IX).

Leistungsträger und Rechtsverhältnis

Leistungsträger einer Qualifizierungsmaßnahme ist in der Regel die Bundesagentur für Arbeit. Für Menschen, die bereits im Arbeitsleben stehen oder standen, sind in vielen Fällen die gesetzliche Rentenversicherung, Unfallversicherung oder die Träger der Eingliederungshilfe zuständig.

Größtenteils haben behinderte Beschäftigte einer WfbM einen arbeitnehmerähnlichen Rechtsstatus. Sie erhalten ein Arbeitsentgelt und sind unfall-, kranken-, pflege- und rentenversichert.

Anlaufstellen und weitere Informationsquellen

Ansprechpartner für Menschen, die in einer WfbM arbeiten möchten, ist das Reha-Team der örtlichen Agentur für Arbeit. Sie geben Auskünfte über aktuelle Bildungsangebote, Aufnahmetermine und Angebote einer WfbM. 

Ausführliche Beratung bieten ebenfalls die Integrationsfachdienste.

Es ist auch möglich, sich direkt bei den einzelnen Werkstätten zu informieren. Im Portal REHADAT-Werkstätten kann gezielt nach einzelnen WfbM gesucht werden: https://www.rehadat-wfbm.de/de/index.html

Nähere Informationen zum Thema WfbM sind ebenfalls unter www.bagwfbm.de/ zu finden.

Weitere Informationen über die Aufgaben und Ziele der WfbM finden sich unter:

https://www.werkstaetten-im-netz.de/aufgaben-und-ziele-der-wfbm.html

Des Weiteren erhalten Menschen mit Behinderungen persönliche Beratung in den Beratungseinrichtungen der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB).

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