Zuletzt aktualisiert am 20. Dezember 2021

Demenz und Ernährung

Unser Organismus kann nur dann reibungslos seine Arbeit verrichten, wenn er ausreichend Flüssigkeit und Nahrung erhält. Wenn man zu wenig isst und trinkt, ist man kraftlos und müde, das Gehirn fühlt sich leer an, die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab.

Essen und Trinken sind nicht nur elementar wichtige Bestandteile unseres Daseins. Sie sind auch sinnliche Erlebnisse: Aussehen, Duft und Geschmack von Speisen und Getränken, die in geselliger Runde eingenommen werden, vermitteln Genuss und Lebensfreude.

Demenzkranken gehen das Hunger- und Durstgefühl sowie das sinnliche Erleben von Essen und Trinken meist schrittweise verloren.

Änderungen im Essverhalten

Das Hunger- und Durstgefühl, das in der Regel die Nahrungszufuhr steuert, ist bei Demenzkranken vermindert oder nicht mehr vorhanden. In der Folge vergessen Betroffene, zu essen und zu trinken oder sie nehmen zwei Mahlzeiten hintereinander ein.

Im Krankheitsverlauf geht daneben das Wissen verloren, was und wie man isst und auf welche Weise man Lebensmittel zubereitet. Zudem erschweren Schluck- und Kaustörungen,
die typischerweise zum Krankheitsbild gehören, die Nahrungsaufnahme.

Warnzeichen

Viele Betroffene leben alleine und versorgen sich selbständig, bevor die Erkrankung erkannt wird. Angehörige stellen dann oft erst spät und zufällig fest, wie katastrophal sich die Ernährungssituation entwickelt hat. Warnzeichen können Gewichtsverlust und immer wieder auftretende Magen-Darmbeschwerden sein. Oftmals finden sich bei Demenzkranken an nicht dafür vorgesehenen Plätzen große Mengen nicht erforderlicher Lebensmittel; beispielsweise bewahrt der Kranke im Schuhschrank 20 Flaschen Essig auf, im Kühlschrank und an anderen Orten finden sich verdorbene offene Lebensmittel und Produkte, deren Haltbarkeit längst abgelaufen ist.

Die Folgen einer Fehl- und Mangelernährung können gravierend sein.
Die Folgen einer Fehl- und Mangelernährung können gravierend sein.

Tipps um das Essverhalten Demenzkranker positiv zu beeinflussen

Es gibt einige einfache Tipps, mit denen sich das Essverhalten von Demenzkranken positiv beeinflussen lässt. Grundsätzlich sollte bei der Zusammenstellung der Mahlzeiten darauf geachtet werden, dass die Kost nährstoffreich ist. Bei Demenzkranken, die unter einer ausgeprägten motorischen Unruhe leiden, muss der höhere Energiebedarf durch eine entsprechend energiedichte Nahrung ausgeglichen werden.

Wenn der Demenzkranke nicht essen will

Wenn der Kranke wiederholt die angebotenen Speisen und Getränke ablehnt, muss die Ursache in Erfahrung gebracht werden. Es sind viele Gründe für die Nahrungsverweigerung denkbar. Möglicherweise genügt es schon, die Mahlzeiten dem Geschmack des Kranken anzupassen.

Es kommen aber auch andere Ursachen in Frage, wie

  • schlecht sitzendes Gebiss
  • chronische Schmerzen
  • körperliche Beeinträchtigungen wie Übelkeit, Entzündungen im Mund- und Rachenraum, Schluckstörungen
  • appetithemmende Medikamente
  • Antipathie gegenüber der Pflegeperson oder anderen Personen am Esstisch

Kann die Ursache nicht ausgemacht werden und gelingt es auch nicht mit geduldigem und liebevollem Zureden den Demenzkranken zur Nahrungsaufnahme zu bewegen, sollte die Problematik mit dem betreuenden Arzt besprochen werden.

Ist es medizinisch notwendig, kann die Ernährung über eine PEG-Sonde in Erwägung gezogen werden. Dafür ist allerdings die Einwilligung des Patienten erforderlich. Kann der Patient krankheitsbedingt nicht zustimmen bzw. ablehnen und existiert keine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung, muss der mutmaßliche Willen des Patienten in Erfahrung gebracht werden.

 

 

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