Zuletzt aktualisiert am 20. Dezember 2021

Steuervergünstigungen für Menschen mit Behinderungen

Menschen mit Behinderung sind oft durch zusätzliche Kosten finanziell stärker belastet als Nichtbehinderte. Um diesen Nachteil auszugleichen, erhalten sie eine Reihe von Vergünstigungen bei der Lohn- und Einkommenssteuer.

Jährlich werden die Pauschbeträge angepasst. Seit dem 01.01.2021 gelten zusätzlich einige neue Regelungen.

Pauschbetrag für Menschen mit Behinderung

(§ 33b Abs. 1-3 EStG)

Bei einer Behinderung entstehen regelmäßige Kosten etwa für Medikamente oder den erhöhten Wäschebedarf. Betroffene können für diese Kosten einen Pauschbetrag geltend machen, der vom Einkommen abgezogen wird.

Die Höhe des Pauschbetrags ist abhängig vom festgestellten Grad der Behinderung (GdB). Ab 2021 werden die Steuervorteile bereits ab einem GdB von 20 (bisher 25) gewährt und die Systematik wird in 10er Schritten bis zu einem GdB von 100 fortgeschrieben. Es gelten folgende Beträge:

Grad der Behinderung Jährlicher Pauschbetrag
20 384 €
30 620 €
40 860 €
50 1.140 €
60 1.440 €
70 1.780 €
80 2.120 €
90 2.460 €
100 2.840 €

 

Bei Menschen, die hilflos (Merkzeichen H) oder blind (Merkzeichen Bl) sind, beträgt der Pauschbetrag 7.400 € jährlich, unabhängig vom GdB (§ 33b Abs. 6 EStG).

Der Pauschbetrag wird immer in voller Höhe gewährt, auch wenn die Behinderung beispielsweise erst im Dezember festgestellt wird.

Verändert sich der GdB im Laufe des Jahres, wird der Pauschbetrag immer nach dem höchsten Grad gewährt, der im betreffenden Kalenderjahr festgestellt wird.

Kinder

Auch ein Kind mit Behinderung hat Anspruch auf den Behinderten-Pauschbetrag. Nutzt es den Pauschbetrag nicht selbst und bekommen die Eltern Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag (§ 33b Abs. 5 EStG) für das Kind, können sie den Pauschbetrag auch auf sich übertragen lassen.

Sind die tatsächlichen Kosten, die infolge der Behinderung entstehen, nach Abzug der zumutbaren Belastung höher als der Pauschbetrag, können Betroffene diese anstelle des Pauschbetrags als außergewöhnliche Belastung absetzen. Die höheren Kosten müssen dann einzeln mit Nachweisen belegt werden.

Pauschbetrag für Pflegepersonen

(§ 33b Abs. 6 EStG)

Für die unentgeltliche Pflege eines behinderten Menschen kann die Pflegeperson ab 2021 einen Pflege-Pauschbetrag in Abhängigkeit des Pflegegrades geltend machen.

Pflegegrad Höhe
Pflegegrad 2 600 €
Pflegegrad 3 1.100 €
Pflegegrad 4 und 5 1.800 €

 

Seit 2021 muss die zu pflegende Person nicht mehr das Merkzeichen H (hilflos) besitzen.

Die Pflege muss entweder in der Wohnung des hilflosen Menschen oder der Pflegeperson erfolgen.

Sind die tatsächlichen Aufwendungen, die der Pflegeperson durch die Pflege entstehen, nach Abzug der zumutbaren Belastung höher als der Pauschbetrag, können diese mit Nachweis als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden.

Kosten für Privatfahrten

Menschen mit Behinderung können je nach Schwere ihrer Beeinträchtigung Fahrtkosten für Privatfahrten in angemessenem Umfang als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Es können auch Kosten für Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln geltend gemacht werden.

  • Personen mit einem GdB von mindestens 80 oder einem GdB von 70 und zugleich dem Merkzeichen G:
    Kosten für Fahrten, die aufgrund der Behinderung notwendig und unvermeidbar sind (z. B. Fahrten zum Arzt, zur Apotheke, zur Therapie, zum Einkaufen, zu Behörden), können ohne Nachweis geltend gemacht werden. Als angemessen werden 3.000 km jährlich à 0,30 Cent angesehen, also bis zu 900 €. Bei Fahrten über 3.000 km müssen Betroffene nachweisen, dass sie aufgrund der Behinderung notwendig waren.
  • außergewöhnlich gehbehinderte (Merkzeichen aG), blinde (Merkzeichen Bl) und hilflose (Merkzeichen H) Menschen:
    Bei diesem Personenkreis werden auch die Kosten für Erholungs-, Freizeit- und Besuchsfahrten anerkannt. Die Grenze liegt hier bei 15.000 km pro Jahr à 0,30 Cent, also 4.500 €. Die gefahrenen Kilometer müssen nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden.

Behinderungsbedingte Fahrtkosten-Pauschale

(§ 33 Abs. 2a EStG)

Statt der bisher individuell ermittelten Aufwendungen für Fahrtkosten (s.o.) können Menschen mit Behinderung ab 2021 alternativ eine Fahrtkosten-Pauschale geltend machen.

Eine Pauschale i.H.v. 900 € gilt für Menschen mit einem GdB von mindestens 80 oder einem GdB von mindestens 70 und dem Merkzeichen "G".

Eine Pauschale i.H.v. 4.500 € erhalten Menschen mit dem Merkzeichen "aG", "Bl" oder "H".

Werbungskosten

(§ 9 Abs. 2 EStG)

Behinderte Menschen mit einem GdB von mindestens 70 oder einem GdB von mindestens 50 und zugleich dem Merkzeichen G können anstelle der Entfernungspauschalen ihre tatsächlichen Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und für Familienheimfahrten ansetzen.

Anlaufstellen und weitere Informationsquellen

Zu allen Steuervorteilen werden Sie ausführlich und individuell bei Ihrem zuständigen Versorgungsamt oder Ihrem Finanzamt beraten.

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