Betroffene warten oft monatelang auf einen Termin beim Psychotherapeuten, dabei ist ein zügiger Therapiebeginn gerade bei psychischen Erkrankungen oftmals entscheidend. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat nun ein Gesetz verabschiedet, welches die Erreichbarkeit und den Zugang zu ambulanter Psychotherapie für Patienten verbessern soll. Die Änderungen sind seit 01.04.2017 in Kraft.

Verbesserungen im Einzelnen:

Psychotherapeutische Sprechstunde

Durch den Zugang zu Erstgesprächen sollen zukünftig monatelange Wartezeiten auf einen Termin vermieden werden. Ratsuchende erhalten nun zeitnah eine erste Auskunft über mögliche Ursachen der Beschwerden sowie Empfehlungen über das weitere Vorgehen.

Bei Erwachsenen sind bis zu sechs Gespräche à 25 Minuten innerhalb von vier Quartalen möglich, bei Kindern und Jugendlichen bis zu zehn. Eine Genehmigung der Krankenkasse für diese Psychotherapeutische Sprechstunde ist nicht erforderlich.

Feste Telefonsprechstunden

Psychotherapeutische Praxen müssen mindestens 200 Minuten in der Woche telefonisch erreichbar sein. Diese Zeit ist in Einheiten von mindestens 25 Minuten anzubieten. Die Zeiten müssen veröffentlicht und auch der Kassenärztlichen Vereinigungen mitgeteilt werden.

Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen

Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen vermitteln künftig auch einen Termin in der psychotherapeutischen Sprechstunde. Ist im Anschluss eine Akutbehandlung erforderlich, können die Terminservicestellen auch einen Behandlungsplatz vermitteln, falls die Praxis die Behandlung nicht selbst kurzfristig anbieten kann.

Psychotherapeutische Akutbehandlung

Akutbehandlung ist eine Soforthilfe bei akuten Krisen und Ausnahmezuständen. Sie kann kurzfristig nach der Sprechstunde begonnen werden. Es können je Krankheitsfall bis zu 24 Gesprächseinheiten à 25 Minuten durchgeführt werden. Der Therapeut muss die Krankenkasse des Versicherten lediglich darüber informieren, eine Genehmigung ist auch hierfür nicht erforderlich.
 

Weitere Änderungen:

  • Das Antrags- und Gutachterverfahren wurde vereinfacht.
  • Für Langzeit- und Kurzzeittherapien gibt es jeweils nur noch zwei Sitzungskontingente.
  • Vor jede Langzeit- oder Kurzzeittherapie finden mindestens zwei probatorische Sitzungen statt.
  • Die Zahl der Teilnehmer von Gruppentherapien wurde einheitlich auf drei bis neun festgelegt; Einzel- und Gruppensitzungen können ohne Mitteilung an die Krankenkasse getauscht werden, sofern sich das überwiegend durchgeführte Setting nicht ändert.
  • Alle PTV-Formulare wurden überarbeitet sowie neue eingeführt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Gemeinsamen Bundesausschusses www.g-ba.de oder bei der Bundespsychotherapeutenkammer unter www.bptk.de/aktuell/einzelseite/artikel/psychotherap-99.html