Zuletzt aktualisiert am 10. Oktober 2022

Haushaltshilfe

(§ 38 SGB V, § 28 SGB VI i.V.m. §§ 64, 74 SGB IX, § 42 SGB VII i.V.m. §§ 64, 74 SGB IX)

Wird eine haushaltsführende Person krank, muss beispielsweise ins Krankenhaus und kann daraufhin die Betreuung ihrer Kinder nicht mehr gewährleisten, ist es möglich eine Haushaltshilfe zu beantragen. Diese Hilfe umfasst alle Aufgaben, die zur Haushaltsführung gehören, wie die Betreuung der Kinder, den Einkauf, die Zubereitung von Speisen, die Reinigung der Wohnung oder das Waschen der Wäsche. Der Leistungsumfang ist abhängig vom tatsächlichen Hilfebedarf des Betroffenen. Eine Haushaltshilfe kann auch in eingeschränktem Maß bewilligt werden, wenn beispielsweise eine andere Person am Wochenende die Haushaltsführung übernehmen kann.

Als Träger der Leistung kommen je nach Ausgangssituation die Krankenkassen, Unfallversicherungen (Berufsgenossenschaften), Rentenversicherungen, die Agentur für Arbeit oder das Sozialamt in Betracht.

Beantragung einer Haushaltshilfe bei der Krankenkasse

Ein Patient kann bei seiner Krankenkasse eine Haushaltshilfe beantragen, wenn

  • er sich einer Krankenhausbehandlung unterziehen muss, häusliche Krankenpflege benötigt oder an einer medizinischen Vorsorgeleistung oder medizinischen Rehabilitation teilnimmt

und

  • mindestens ein Kind unter 12 Jahren in seinem Haushalt lebt oder Kinder mit Behinderung im Haushalt leben (ohne Altersbeschränkung)

und

  • kein weiteres Haushaltsmitglied den Haushalt weiterführen kann (das Haushaltsmitglied muss dabei nicht volljährig sein!). Die Haushaltsmitglieder müssen sich nicht wegen der Weiterführung des Haushalts beurlauben lassen.

 

Ferner besteht die Möglichkeit eine Haushaltshilfe zu beantragen, wenn Patienten wegen einer schweren Erkrankung oder Verschlimmerung einer bestehenden Erkrankung den Haushalt nicht weiterführen können. Dann haben sie Anspruch auf eine Haushaltshilfe für bis zu

  • 4 Wochen, wenn kein Kind im Haushalt lebt
  • 26 Wochen, wenn ein Kind unter 12 Jahren oder ein Kind mit Behinderung, das auf Hilfe angewiesen ist, im Haushalt lebt

 

Darüber hinaus können Betroffene zusätzlich häusliche Krankenpflege mit Grundpflege und hauswirtschaftlicher Versorgung für bis zu 4 Wochen beanspruchen. Ein Bedarf an Behandlungspflege muss in diesem Fall nicht vorliegen. 

Zuzahlung

Wer eine Haushaltshilfe in Anspruch nimmt, muss 10 % der Kosten pro Tag, mindestens 5 €, höchstens jedoch 10 € selbst übernehmen. Beim Erreichen der individuellen Belastungsgrenze können Betroffene von den Zuzahlungen befreit werden (siehe auch: Zuzahlungsbefreiung).

Ausnahme: Schwangerschaft und Entbindung

Wenn eine Versicherte aufgrund von Schwangerschaft oder Entbindung nicht in der Lage ist, ihren Haushalt zu führen, kann sie eine Haushaltshilfe bei der Krankenkasse beantragen. Es ist in diesem Fall nicht erforderlich, dass schon ein Kind unter zwölf Jahren im Haushalt lebt und es müssen auch keine Zuzahlungen geleistet werden. Die Haushaltshilfe wird solange gewährt, wie es vom Arzt bzw. der Hebamme für notwendig erachtet wird.

Beantragung einer Haushaltshilfe bei der Rentenversicherung

Die Rentenversicherung ist Leistungsträger für die Haushaltshilfe, wenn

und

  • ein Kind unter 12 Jahren im Haushalt lebt (bei Kindern mit Behinderung gibt es keine Altersgrenze)

und

  • kein Haushaltsmitglied den Haushalt weiterführen kann (das Haushaltsmitglied muss dabei nicht volljährig sein)

und

  • die rentenrechtlichen Voraussetzungen für ergänzende Leistungen zur Reha vorliegen

Zuzahlung

Gewährt die Rentenversicherung eine Haushaltshilfe, fällt hierfür keine Zuzahlung an.

Beantragung Haushaltshilfe bei der Berufsgenossenschaft

Patienten, die in Folge einer Berufskrankheit oder eines Arbeitsunfalls eine medizinische oder berufliche Reha (Teilhabe am Arbeitsleben) beantragen, haben unter folgenden Voraussetzungen Anspruch auf eine Haushaltshilfe:

  • ein Kind unter 12 Jahren lebt im Haushalt (bei Kindern mit Behinderung gibt es keine Altersgrenze)

und

  • kein Haushaltsmitglied kann den Haushalt weiterführen (das Haushaltsmitglied muss dabei nicht volljährig sein)

Zuzahlung

Wenn die Berufsgenossenschaft Leistungsträger ist, müssen Patienten in der Regel keine Zuzahlung leisten. Ausnahmen sind im Einzelfall möglich.

Eine Haushaltshilfe kann Betroffene im Krankheitsfall enorm entlasten.
Eine Haushaltshilfe kann Betroffene im Krankheitsfall enorm entlasten.

Leistungen der Haushaltshilfe

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Haushaltshilfe erbracht werden kann.

Sachleistung

Die Haushaltshilfe kann als Sachleistung erbracht werden. Der Leistungsträger übernimmt dann die Kosten für einen Mitarbeiter von Sozialstationen, ambulanten Pflegediensten und ähnlichen Organisationen, mit denen er Verträge unterhält.

Selbst beschaffte Haushaltshilfe

Der Patient kann, wenn eine Sachleistung nicht möglich ist, auch selbst eine geeignete Person organisieren, die in seiner Abwesenheit den Haushalt weiterführt. Die Kosten für diese selbst beschaffte Haushaltshilfe werden dann in angemessener Höhe vom jeweiligen Leistungsträger übernommen.

Beispiel

Die zuständige Krankenkasse übernimmt je nach Satzung die Kosten für eine selbst organisierte Haushaltshilfe bis etwa 2,5% der monatlichen Bezugsgröße (in 2021: 10,28 €/Std. bzw. 82,25 € täglich bei einem 8-Std.-Tag). Sie gewährt die häusliche Unterstützung für maximal 8 Stunden. Im Ausnahmefall kann sie auch 10 Stunden täglich bewilligen, zum Beispiel wenn die haushaltsführende Person alleinerziehend ist.

Übernimmt eine verwandte oder verschwägerte Person bis zum zweiten Grad - also die eigenen Eltern, die Eltern des Ehepartners, Kinder, Großeltern, die Großeltern des Ehepartners, Enkelkinder, Geschwister, Stiefeltern, Stiefkinder, Stiefenkelkinder, Schwiegerkinder oder Schwager/Schwägerin - die Haushaltsführung, werden ihr ausschließlich Fahrtkosten und nachgewiesener Verdienstausfall erstattet. Letzterer muss vom Arbeitgeber bestätigt werden.

Anderweitige Unterbringung des Kindes oder der Kinder

Die Kostenträger können auch die Übernahme der Kosten bewilligen, wenn das Kind bzw. die Kinder aus dem Haushalt anderweitig untergebracht werden. Dazu zählt auch, dass sie vom Patienten beispielsweise in die Rehaklinik mitgenommen werden.

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