Zuletzt aktualisiert am 20. Januar 2022

Parkinson

Die Parkinson-Krankheit, auch als Morbus Parkinson bekannt, ist eine langsam fortschreitende neurodegenerative Erkrankung. Mit rund 250.000 Betroffenen gehört sie zu den häufigsten Nervenerkrankungen in Deutschland.1

Im Verlauf der Erkrankung sterben immer mehr Dopamin-produzierende Zellen im Gehirn ab. Der Mangel an dem Botenstoff Dopamin, der wesentlich an der Steuerung von Bewegungen beteiligt ist, führt zu typischen Symptomen wie Bewegungsverlangsamung, Versteifung der Muskeln und Zittern in Händen und Armen. Die häufigste Form der Parkinson-Erkrankung ist das idiopathische Parkinson-Syndrom. Idiopathisch bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Ursache der Erkrankung unbekannt ist. Seltener tritt das sog. sekundäre Parkinson-Syndrom auf, welches auf einen bekannten Auslöser - z. B. Giftstoffe, Entzündungen und Tumore - zurückzuführen ist.  

Diagnose

Das Durchschnittsalter der Parkinson-Patienten bei der Diagnose liegt bei 60 Jahren.2 Die Untersuchungen werden von einem Neurologen durchgeführt. In einem Erstgespräch klärt er aktuelle Beschwerden und die Krankheitsgeschichte ab. Im Rahmen einer körperlichen und neurologischen Untersuchung achtet der Arzt beispielsweise auf ein Zittern der Hände im Ruhezustand und testet die Reflexe des Betroffenen, um mögliche Gleichgewichtsstörungen festzustellen. Um andere Erkrankungen ausschließen zu können, werden manchmal auch bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) und die Computertomografie (CT) durchgeführt. Zudem gibt es die Möglichkeit den sog. L-Dopa Test durchzuführen. Da bei Morbus Parkinson ein Dopamin-Mangel für die Bewegungsstörung verantwortlich ist, wird dem Patienten Levodopa, eine Dopamin-Vorstufe, verabreicht. Wenn sich die Bewegungsstörung dadurch sehr schnell verbessert, kann davon ausgegangen werden, dass eine Parkinson-Erkrankung vorliegt.

Die Wahrscheinlichkeit an Parkinson zu erkranken, steigt mit höherem Lebensalter
Die Wahrscheinlichkeit an Parkinson zu erkranken, steigt mit höherem Lebensalter

Häufigkeit und Altersverteilung

Mit steigendem Lebensalter wächst die Wahrscheinlichkeit ein Parkinson-Syndrom zu entwickeln. 2 von 5 Betroffenen sind Frauen. Die Parkinson-Gesellschaft geht davon aus, dass 2 % der Bevölkerung im Alter von über 60 Jahren erkranken. Bei 5-10 % aller Patienten treten die ersten Symptome einer Parkinson-Erkrankung jedoch schon im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf.3 Von juvenilem Parkinson spricht man, wenn die Erkrankten unter 21 Jahre alt sind. Nach Alzheimer ist Parkinson die zweithäufigste degenerative Erkrankung des Nervensystems.

Typische Krankheitszeichen

Es gibt verschiedene Varianten des Morbus Parkinson, mit teilweise unterschiedlichen Symptomen und Behandlungsstrategien, z. B. Multisystematrophie, Lewy-Körper Demenz etc.

Die genaue Diagnose ist oftmals schwierig, da erste Symptome, wie z. B. Beeinträchtigungen der Feinmotorik und des Geruchssinns, häufig nicht richtig erkannt werden. Der Weg zur korrekten Diagnosestellung ist für die Patienten dann häufig lang und mühevoll.

Grundsätzlich werden 4 Hauptsymptome unterschieden:

1. Bewegungsverlangsamung (Bradykinese)

Der Gang des Patienten kann bereits im frühen Stadium der Erkrankung deutlich langsamer und schlurfender werden. Daneben wirkt oft auch das Gesicht maskenhaft, da Gestik und Mimik eingeschränkt sein können. Das Sprechen wird leiser und undeutlicher und es kann zu Problemen beim Schlucken kommen. 

2. Steifheit der Muskeln (Rigor)

Im fortgeschrittenen Stadium sind insbesondere die Muskeln im Schulter-/Nackenbereich sowie die Arme und Beine permanent angespannt. Die Patienten nehmen oft einen ziehenden Schmerz in diesen Bereichen wahr.

3. Zittern im Ruhezustand (Tremor)

Ein klassisches Symptom des Morbus Parkinson ist das Zittern der Hände im Ruhezustand. Allerdings tritt dieses Symptom erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Es beginnt meist in den Händen und kann sich bis auf die Füße ausweiten.

4. Störung der Halte- und Stellreflexe (posturale Instabilität)

Viele Patienten haben im Verlauf der Erkrankung Probleme, eine stabile Körperhaltung einzunehmen, da die Stellreflexe gestört sind. Es kann vermehrt zu Stürzen kommen.

Hinweis: Oft machen sich die Symptome auf einer Körperseite stärker bemerkbar. Mögliche weitere Krankheitsfolgen sind zum Beispiel Blasen- und Verdauungsstörungen, Kreislaufprobleme, eine erhöhte Talgproduktion der Haut, Konzentrationsstörungen sowie Depressionen. Die einzelnen Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein oder auch ganz fehlen.

Krankheitsverlauf

Die Krankheit verläuft in verschiedenen Stadien. Insbesondere in den ersten Jahren der Therapie ermöglichen Medikamente oft ein weitgehend normales Leben mit guter Beweglichkeit. Andere Symptome wie Zittern und Haltungsinstabilität werden allerdings meist nur unvollständig gebessert.4

Behandlung

Medikamentöse Therapien

In der medikamentösen Parkinson-Therapie werden meist unterschiedliche Wirkstoffe miteinander kombiniert. Sie alle zielen vor allem darauf ab, den durch die Krankheit hervorgerufenen Mangel des Botenstoffes Dopamin im Gehirn auszugleichen. Dadurch sollen die Symptome der Erkrankung und ihre Begleiterscheinungen unterdrückt werden.

Folgende Wirkstoffe werden bevorzugt eingesetzt:

L-Dopa / Levodopa

L-Dopa (kurz für Levodopa) ist eine Standardsubstanz in der Parkinson-Therapie. L-Dopa kann im Gehirn zu Dopamin umgewandelt werden dadurch den krankeitsbedingten Dopamin-Mangel im Gehirn ausgleichen.

Decarboxylase-Hemmer

L-Dopa wird stets mit einem Decarboxylase-Hemmer kombiniert, da sonst ein Großteil des zugeführten Wirkstoffs bereits außerhalb des Gehirns von dem Enzym Decarboxylase abgebaut wird. Der Enzymhemmer verhindert den vorzeitigen Abbau, wodurch geringere L-Dopa-Dosen benötigt werden und das Nebenwirkungsrisiko gesenkt wird.

Dopamin-Agonisten

Diese besetzen die Bindungsstellen des Dopamins im Gehirn und gleichen so die mangelnde Dopaminwirkung aus. Sie werden im fortgeschrittenen Stadium häufig mit L-Dopa-Präparaten kombiniert.

MAO-B Hemmer

Das Enzym Monoaminooxidase (MAO-B) katalysiert den Dopamin-Abbau im Gehirn. Durch Hemmung des Enzyms steht mehr Dopamin zur Verfügung, und L-Dopa wirkt stärker und länger.

COMT-Hemmer

Ähnlich wie die Decarboxylase-Hemmer verringern sie den L-Dopa-Abbau im Körper. Dadurch wird die Wirkung von L-Dopa im Gehirn verstärkt und verlängert.

Glutamat-Antagonisten und Anticholinergika

Beim gesunden Menschen ist das Verhältnis der Botenstoffe Dopamin, Acetylcholin und Glutamat im Gehirn ausgeglichen. Durch den Dopamin-Mangel erhöht sich der relative Anteil der anderen Botenstoffe, was zu den für Parkinson typischen Bewegungseinschränkungen führt. Glutamat-Antagonisten bzw. Anticholinergika bringen das Zusammenspiel der Botenstoffe wieder ins Gleichgewicht.

Hinweis: Aufgrund ihrer Nebenwirkungen werden Anticholinergika mittlerweile nur noch selten eingesetzt.

 

Exkurs

Wahnvorstellungen und Impulskontrollstörungen bei Morbus Parkinson

Die Ursachen von Wahnvorstellungen oder Impulskontrollstörungen sind sehr vielfältig, zum Teil liegt eine genetische Disposition zugrunde. Die Einnahme von L-Dopa oder Dopamin-Agonisten kann unter Umständen die Entstehung dieser Störungen begünstigen. Für Betroffene und deren Angehörige ist dies, zusätzlich zur Erkrankung selbst, eine ungeheure Belastung. Ausführliche Informationen und wichtige Hilfestellungen zu diesem Thema finden Betroffene z. B.  bei der Deutschen Parkinson-Gesellschaft e. V.

Tipps für die Medikamenteneinnahme

Folgende Empfehlungen erleichtern die tägliche Einnahme:

  1. Wirkungsschankungen vorbeugen
    Um einen möglichst gleichmäßigen Wirkspiegel sicherzustellen, sollten Patienten die Medikamente stets regelmäßig und pünktlich einnehmen. Auch die jeweiligen Begleitumstände (Tageszeit, Mahlzeiten, Begleitmedikation, äußere Einflüsse wie Stress etc.) sollten immer berücksichtigt werden. Ein Tagebuch hilft, die Einnahme zu dokumentieren und Wirkungsschwankungen aufgrund äußerer Einflüsse zu identifizieren.
  2. Ausreichend trinken
    Zur Medikamenteneinnahme sollte stets ausreichend getrunken werden. Am besten geeignet sind stilles Wasser oder Leitungswasser.
  3. Aufrecht sitzen
    Kapseln und Tabletten können bei aufgerichtetem Oberkörper leichter geschluckt werden. In dieser Position ist auch die Gefahr des Verschluckens am geringsten. Bei Bedarf können Schluckhilfen aus der Apotheke bezogen werden.
  4. Arzneimittelboxen nutzen
    Mit ihrer Hilfe ist die tägliche Medikamentendosis direkt griffbereit, so dass die Einnahme weniger leicht vergessen wird.
  1. Wechselwirkungen beachten
    Medikamente mit dem Wirkstoff L-Dopa sollten nicht eiweißreichen Lebensmitteln oder Eisenpräparaten eingenommen werden, da diese die aufgenommene Wirkstoffmenge verringern können. Manche Tabletten oder Kapseln dürfen zudem nicht zeitgleich genommen werden. Medikamenteneinnahme und Mahlzeiten sollten daher entsprechend geplant werden.

 

Weitere Therapieoptionen im Krankheitsverlauf

Mit der Zeit lässt bei vielen Betroffenen die Effektivität der medikamentösen Therapie nach oder Nebenwirkungen verschlimmern sich derart, dass andere bzw. zusätzliche Behandlungsmethoden in Betracht gezogen werden müssen.

Pumpentherapie5

Levodopa-Pumpe: Um eine kontinuierliche Abgabe des Wirkstoffes zu erreichen, wird durch die Bauchdecke hindurch ein dauerhafter Zugang zum Dünndarm geschaffen. Mit Hilfe der Levodopa-Pumpe wird dann - kontinuierlich oder als Bolus (Einmalgabe) - L-Dopa direkt in den Darm abgegeben. Hierdurch wird die Magen-Passage umgangen und ein gleichmäßigerer Wirkspiegel erzielt.

Apomorphin-Pumpe: Bei diesem Pumpensystem wird der Wirkstoff mit Hilfe eines Schlauchs direkt unter die Haut abgegeben. Auch hier wird die Magenpassage umgangen, um eine gleichbleibende Wirkstoffkonzentration zu erreichen. Die Therapie kommt vor allem für Patienten mit ausgeprägten Bewegungsstörungen in Betracht.

Tiefe Hirnstimulation

Bei der tiefen Hirnstimulation werden operativ Elektroden ins Gehirn eingebracht, um so die Hirnaktivität in den durch die Krankheit beeinträchtigen Hirnarealen zu regulieren. Die Methode kommt in der Regel erst dann zum Einsatz, wenn sich die Krankheitssymptome medikamentös nicht (mehr ausreichend) kontrollieren lassen.

 

 

 

1„S3-Leitlinie Ideopathisches Parkinsonsyndrom.“ Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Stand: 2016-2020

2+3„Parkinson: die Krankheit an der Wurzel packen." Deutsche Parkinsongesellschaft. Pressekonferenz zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April 2017. Abgerufen unter www.parkinson-gesellschaft.de/aktuelles/103-parkinson-die-krankheit-an-der-wurzel-packen.html
 

4„Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.“ Aktories et al., 11. Auflage 2013.

5„8. Tübinger Infotag, Parkinson-Behandlung 2012“. Prof. Dr. med. Rejko Krüger, Neurologie mit Schwerpunkt Neurodegenerative Erkrankungen, Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung, Universität Tübingen

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