Zuletzt aktualisiert am 20. Dezember 2021

Reisen mit Epilepsie

In regelmäßigen Abständen Pausen vom Alltag machen - das ist enorm wichtig für Körper und Seele. Auch Menschen mit Epilepsie können Urlaub machen und (Fern-) Reisen unternehmen. Um den Stresspegel möglichst klein zu halten und Komplikationen zu vermeiden, sollten sie ihre Auszeit sorgfältig planen und mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Dann steht einem entspannten Urlaub nichts mehr im Weg. 

Epilepsieausweis

Bei (Auslands-) Reisen sollten Patienten einen internationalen Epilepsie-Notfallausweis (IENA) dabeihaben. So sind im Notfall wichtige Informationen schnell verfügbar. Das Dokument sollten sie gemeinsam mit ihrem Arzt vollständig ausfüllen und gut sichtbar am Körper tragen. 

Der kostenlose Notfallausweis wurde von der Interessensvertretung für Anfallskranke in Köln (IfA Köln) entwickelt. Wer einen mit 95 Cent frankierten Rückumschlag beilegt, kann ihn unter folgender Adresse bestellen:

Projekt IENA
Ifa Köln e. V.
Postfach 10 18 53
50458 Köln

Medikation

Die regelmäßige und pünktliche Medikamenteneinnahme ist für Betroffene auch auf Reisen unerlässlich. Vor der Abreise sollten sie daher die benötigten Medikamente sorgfältig
sowie in ausreichender Menge einpacken und sicherheitshalber auf mehrere Gepäckstücke verteilen.

Medikamente sollten Reisende immer in ihrer Originalverpackung mitnehmen. Das erleichtert etwaige Kontrollen bei der Einreise. Hilfreich ist auch eine ärztliche Bescheinigung mit der genauen Substanz- und Mengenangabe, falls die Medikamente unterwegs zur Neige oder verloren gehen. Sie dient auch als Nachweis, dass die Medikation medizinisch notwendig ist.

Eine geplante Reise sollten Menschen mit Epilepsie mit ihrem Arzt besprechen.
Eine geplante Reise sollten Menschen mit Epilepsie mit ihrem Arzt besprechen.

Flugreisen

Bei längeren Flugreisen ist es empfehlenswert, die benötigten Medikamente in entsprechender Menge im Handgepäck mitzuführen. Das Flugpersonal sollten Betroffene vor dem Start darüber informieren, was im Notfall zu tun ist. Die meisten Fluggesellschaften verlangen ein ärztliches Attest, das Angaben zum Anfallstyp, zur Medikation sowie ggf. zur Notwendigkeit von Begleitpersonen enthält. Einzelne Gesellschaften verlangen zudem eine spezielle Bescheinigung der Flugtauglichkeit.
 

Zeitumstellung

Bei Reisen mit einer geringen Zeitverschiebung von 1 bis 2 Stunden können Reisende die Medikamente entsprechend der Zeit des Heimatortes einnehmen. Bei längeren Strecken empfiehlt sich eine Anpassung der Medikamenteneinnahme an die Zeit des Urlaubsortes. Grundsätzlich gilt: Erhöhung der Medikamenten-Dosis, wenn sich der Reisetag verlängert, und Verringerung, wenn sich der Reisetag verkürzt. Am Folgetag können Patienten die Medikamente dann zur Lokalzeit einnehmen. Beim Rückflug erfolgt die entgegengesetzte Dosisanpassung.

Durchfall und Erbrechen

Ungewohnte Speisen oder unzureichende hygienische Verhältnisse können zu Magen-Darm-Problemen führen. In manchen Ländern ist daher davon abzuraten, Salat, rohes Gemüse, ungeschälte Früchte und Eiscreme zu essen oder sich die Zähne mit Leitungswasser zu putzen. Regel: Koch es, schäl es oder vergiss es. Bei Durchfall und Erbrechen wird die Aufnahme der Antiepileptika im Magen-Darm-Trakt beeinträchtigt und der Elektrolythaushalt gestört, was zu einer erhöhten Anfallsbereitschaft führen kann. Daher sollten Betroffene bei länger anhaltenden Beschwerden einen Arzt vor Ort aufsuchen.

Impfungen

Für ihre Reise erforderliche Impfungen sollten Patienten grundsätzlich immer mit ihrem behandelnden Arzt besprechen. Viele Impfungen können von Menschen mit Epilepsie wahrgenommen werden. Dazu gehören Impfungen gegen Hepatitis A und B, Typhus, Tetanus, Poliomyelitis (Kinderlähmung), Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Grippe, Masern, Diphtherie, Mumps und Tollwut. Auch bei der Impfung gegen Covid 19 gibt es laut der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie  aktuell keine Hinweise, dass für Epilepsie-Patienten ein erhöhtes Impfrisiko besteht. Als problematisch gelten dagegen Impfungen gegen Malaria, Cholera-, Gelbfieber- und Parathyphus.
 


Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung für jeden Einzelfall. Insbesondere vor Antritt einer geplanten Fernreise ist eine individuelle Beratung, entweder durch spezialisierte Ärzte oder in einem Impfzentrum wie dem Gesundheitsamt oder dem Tropeninstitut, empfehlenswert.
 

Bei der Impfentscheidung sollten Patienten stets ihren behandelnden Facharzt miteinbeziehen.
Bei der Impfentscheidung sollten Patienten stets ihren behandelnden Facharzt miteinbeziehen.

Anlaufstellen und weitere Informationsquellen

Auf den Internet-Seiten des Robert-Koch-Instituts und des Auswärtigen Amtes finden Sie die aktuellen Impfempfehlungen und Reiseinformationen für alle Urlaubsländer: 

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/impfen_node.html

https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/reise-und-sicherheitshinweise

 

 

 

 


 

 

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