Zuletzt aktualisiert am 24. Januar 2023

Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche, degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Das Immunsystem greift dabei körpereigene Nervenstrukturen in Gehirn und Rückenmark an. MS ist also eine Autoimmunerkrankung.

Informationen und Hintergrund

Aktuell leiden weltweit ca. 2,8 Millionen Menschen an MS.1  In Deutschland gibt es etwa 252.000 Betroffene. Frauen erkranken etwa zwei- bis dreimal häufiger als Männer.2  Die meisten Patienten erhalten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr die Diagnose. MS ist die häufigste entzündliche neurologische Erkrankung bei jungen Erwachsenen. Aber auch ältere Menschen und Kinder können daran erkranken.

Ursachen

Bei der Multiplen Sklerose greift das körpereigene Abwehrsystem die Nervenzellen an. Dabei wird die Myelin-Schutzschicht um die Axone geschädigt und komplett oder teilweise abgebaut. Dies führt zur gestörten Impulsübertragung zwischen den Nervenzellen, wodurch unterschiedlichste Symptome entstehen.

Oft sind es mehrere Faktoren, die solch eine Immunreaktion auslösen. Es liegt zum einen oft eine genetische Prädisposition (Neigung) vor. Weitere Ursachen können Umwelt- und Lebensstilfaktoren wie Vitamin D-Mangel, Rauchen und Ernährung3, sowie Virus-Infektionen sein.

Symptome und Verlauf

Ein charakteristisches Frühsymptom sind Sehstörungen wie verschwommenes, „nebliges“ Sehen, Doppelbilder oder vermindertes Farbensehen. Bei vielen Patienten treten im frühen Krankheitsstadium motorische Schwierigkeiten wie ein unsicherer Gang, Koordinations- und Greifprobleme, Zittern (Tremor), Muskelschwäche oder Spastiken (Muskelsteifheit) auf. Im weiteren Verlauf leiden MS-Kranke oft unter temporären Lähmungserscheinungen und einem Steifheitsgefühl in den Beinen.

MS verläuft meist in Schüben, das bedeutet: Eine oder mehrere (multiple) Entzündungen an den Nervenbahnen und die damit verbundenen Symptome entstehen innerhalb von Stunden oder Tagen. Sie klingen durch Abheilungsprozesse oft ähnlich schnell wieder ab (Remission). Je nach Verlauf und Stadium der Erkrankung kann die Abheilung aber auch unvollständig sein.

Die Wissenschaft unterscheidet drei Haupt-Verlaufsformen:

Schubförmiger Verlauf

Gerade in der Frühphase der Erkrankung sind bei rund 80 % der Betroffenen4 plötzliche neurologische Symptome (Schübe) ohne erkennbare Ursache charakteristisch. Nach einigen Tagen oder Wochen verschwinden diese oft komplett. Wenn die Schübe nach Wochen, manchmal auch Jahren, wieder auftreten, spricht man von einem schubförmig remittierenden (zeitweilig aussetzenden) Verlauf (RRMS).

Sekundär progedienter (fortschreitender) Verlauf

Wenn sich nach einem längeren schubförmigen Verlauf die Symptome der MS nicht mehr ganz zurückbilden und auch außerhalb eines Schubs Einschränkungen weiter zunehmen, spricht man von einem sekundär progredienten Verlauf.

Primär progrediente MS (PPMS)

Vor allem bei Patienten mit Erkrankungsbeginn über 40 Jahren nehmen die Symptome manchmal bereits von Anfang an schleichend zu. Bei dieser Verlaufsform, unter der etwa 10 bis 15 Prozent der Menschen mit MS leiden, gibt es oft keine oder kaum Schübe.6

Mediziner nutzen bei allen Verlaufsformen die Begriffe „aktiv“ bzw. „nicht-aktiv“ und „progredient“ (fortschreitend) bzw. „nicht progredient“ um den aktuellen Status der MS zu klassifizieren.

Diagnose

Eine MS kann nur mit einer Kombination aus körperlichen, labormedizinischen und apparativen Untersuchungen sicher diagnostiziert werden.

Neurologische Untersuchung

Bei der neurologischen Untersuchung wird das Zusammenspiel von Gehirn, Nerven und Muskeln überprüft. Mediziner untersuchen z.B. Reflexe, Sehschärfe, Muskelanspannung und -entspannung, Koordination und Berührungsempfindlichkeit der Patienten.

Magnetresonanztomografie (MRT; Kernspintomografie)

Das MRT ist eine zentrale MS-Diagnose-Methode. Dabei wird ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt, durch das mögliche Entzündungen und vernarbtes Gewebe im Gehirn und im Rückenmark auf den MRT-Bildern zu sehen sind.

Liquordiagnostik

Es wird Nervenwasser (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal (Lumbalpunktion) entnommen und untersucht. Bestimmte Eiweißmuster und andere Auffälligkeiten geben Hinweise auf Entzündungen im ZNS und sind u.a. für die Differentialdiagnose (Abgrenzung von anderen Krankheitsbildern wie z.B. Borreliose) wichtig.

Neurophysiologische Untersuchung

Mit sogenannten evozierten Potentialen lässt sich die Leit- und Funktionsfähigkeit der verschiedenen Nervenbahnen prüfen. Dabei werden diese gezielt gereizt und die Impulsreaktion mittels einer Elektroenzephalografie (EEG) gemessen.

Quellen


[1] „Multiple Sklerose-Atlas 2020.“ Multiple Sclerosis International Federation (MSIF). Abgerufen unter: https://www.atlasofms.org/map/global/epidemiology/number-of-people-with-ms

[2] „Weißbuch Multiple Sklerose. Versorgungssituation in Deutschland.“ Kip M., Schönfelder T., Bleß H.-H. (Hrsg.), Springer Verlag, 2016, S. 16.

[3]  „Was ist Multiple Sklerose?“ Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft e.V. Abgerufen unter: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/was-ist-ms/

[4] Weißbuch, S. 60.

[5] S2k-Leitlinie, 2021, S. 18.

[6] „Ms verstehen – Verlauf“. Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft e.V. Abgerufen unter: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-infos/ms-verstehen/vom-symptom-zur-therapie/verlauf/

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