Zuletzt aktualisiert am 31. Mai 2022

Grad der Behinderung bei Multipler Sklerose

Aufgrund ihrer individuellen Beeinträchtigungen können von MS betroffene Personen als behindert oder schwerbehindert anerkannt werden. Denn Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf besonderen Schutz und Unterstützung.

Diese Rechte sind im 9. Sozialgesetzbuch, dem Rehabilitations- und Teilhabeberecht verankert. Nach § 2 SGB IX liegt eine Behinderung dann vor, „wenn die körperliche Funktion, die geistige Fähigkeit oder die seelische Gesundheit eines Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als 6 Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht und daher seine Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist“.

Ziel des Reha- und Teilhaberechts ist es, die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen zu fördern und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Umgesetzt wird dies durch verschiedene Rechte, Erleichterungen oder Vergünstigungen, den sog. Nachteilsausgleichen. Sie sind mit einem bestimmten Grad der Behinderung (GdB), einzelnen Merkzeichen oder einer Gleichstellung verbunden.

Grad der Behinderung bei Multipler Sklerose

Der Grad der Behinderung ist die Maßeinheit dafür, wie stark ein Mensch durch seine Behinderungen beeinträchtigt ist. Er wird in Zehnerschritten von 20 bis 100 festgelegt. Als Orientierung zur Bemessung des GdB dienen die Versorgungsmedizinischen Grundsätze. Darin ist eine Liste von medizinischen Befunden bzw. Krankheiten enthalten, denen jeweils ein GdB zugewiesen ist.

Eine MS-Erkrankung zählt demnach zur Kategorie 3 „Nervensystem und Psyche“. Für die Höhe des GdB gelten neben den zerebralen und spinalen Ausfallerscheinungen auch die aus dem klinischen Verlauf sich ergebenden Krankheitsaktivitäten.

Das bedeutet, dass in der Bewertung des GdB die Anzahl und die Schwere der MS-Schübe sowie deren Krankheitsverlauf berücksichtigt werden.

Wichtig

Da eine MS-Erkrankung sehr unterschiedlich verläuft, hängt die Höhe des GdB vom individuellen Einzelfall ab. Betroffene können sich daher zunächst von ihrem Arzt beraten lassen.

Zur Feststellung einer Behinderung stellen Betroffene einen Antrag beim zuständigen Versorgungsamt. Bei einem GdB von mindestens 20 liegt eine Behinderung vor. Ein Schwerbehindertenausweis wird ab einem GdB von 50 ausgestellt. Unter Umständen können Betroffene ab einem GdB von 50 zusätzlich bestimmte Merkzeichen erhalten. Je nach Merkzeichen sind diese mit unterschiedlichen Nachteilsausgleichen, wie Ermäßigungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln, verbunden.

Behinderungen im Arbeitsleben

Menschen mit Behinderungen sind im Berufsleben häufig mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Durch verschiedene Sonderregelungen wird versucht, durch die Behinderung entstehende Nachteile wieder auszugleichen. So erhalten Menschen mit einer Schwerbehinderung u. a. einen erweiterten Kündigungsschutz, begleitende Hilfen im Arbeitsleben sowie Zusatzurlaub (alle Nachteilsausgleiche im Beruf sind hier aufgelistet).

Wenn Menschen mit einem GdB von 30 oder 40 infolge ihrer Behinderungen keinen geeigneten Arbeitsplatz erlangen oder behalten, können sie schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden. Den Antrag auf Gleichstellung können Arbeitnehmer bei der Agentur für Arbeit stellen.

Fragerecht des Arbeitgebers bei Vorstellungsgesprächen

Stellenbewerber dürfen vom potenziellen Arbeitgeber nicht nach einer Schwerbehinderung gefragt werden. Dies wäre eine behinderungsbedingte Diskriminierung.

Eine Ausnahme hiervon ist, wenn die Behinderung für den Arbeitsplatz relevant ist. Andererseits ist es dem Arbeitgeber auch nur dann möglich, den vom Gesetz vorgeschriebenen speziellen Schutz des schwerbehinderten Arbeitnehmers umzusetzen, wenn er über den Grad der Behinderung informiert ist.

Das Bundesarbeitsgericht hat deshalb im Jahr 2012 entschieden, dass die Frage nach einer Schwerbehinderung zulässig ist, wenn das Arbeitsverhältnis bereits 6 Monate besteht (BAG, Urteil vom 16.02.2012, 6 AZR 553/10).

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